8. Biopolymer-Kolloquium: Biofasern – Trends und Entwicklungen

Pressemitteilung / 3.2.2017

Das Thema »Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen« stand beim 8. Biopolymer-Kolloquium des Fraunhofer IAP in Potsdam-Golm am 26. Januar 2017 im Vordergrund. Internationale Experten aus Industrie und Wissenschaft gaben Einblicke in aktuelle Trends und Entwicklungen.

8. Biopolymer-Kolloquium im Potsdam-Golm
© Foto Fraunhofer IAP

Nanocellulose, 3D-formbare Papiere, Filamentgarne – Beim diesjährigen Biopolymer-Kolloquium wurden verschiedenste Aspekte rund um das Thema Cellulose, deren Modifikationen und Anwendungen beleuchtet. »Nachhaltigkeit und Effizienz spielen dabei immer eine zentrale Rolle. Aber auch die Umweltfreundlichkeit von Herstellungsprozessen ist oft ein kritischer Punkt. Beispielsweise wird zur Herstellung von Cellulosefasern nach dem Viskoseprozess umweltschädlicher Schwefelkohlenstoff eingesetzt«, erklärt Prof. Johannes Ganster, Organisator der Veranstaltung und Leiter des Forschungsbereichs »Biopolymere« am Fraunhofer IAP.


Der Referent und Faserexperte Dr. André Lehmann arbeitet am Fraunhofer IAP an einem umweltfreundlicheren Weg zur Herstellung von Cellulose-Regeneratfasern. »Zwar haben wir nachgewiesen, dass Cellulosefasern mit dem sogenannten Carbamat-Verfahren auch ohne den Einsatz von Schwefelkohlenstoff hergestellt werden können. Dieses Verfahren hat sich in der Industrie bisher jedoch nicht durchgesetzt. Gemeinsam mit seinem Team möchte er Viskose- und Carbamat-Verfahren miteinander kombinieren, um so den Strukturwandel der Viskoseindustrie für einen verringerten Einsatz von Schwefelkohlenstoff zu unterstützen. Sein Ziel: den Verbrauch an Schwefelkohlenstoff zumindest deutlich minimieren. »Pro Jahr werden weltweit etwa fünf Millionen Tonnen Viskose hergestellt. Dafür werden etwa 1,75 Millionen Tonnen Schwefelkohlenstoff eingesetzt. Mit dem CarbaVisk-Verfahren könnten jährlich bis zu 22 500 Tonnen Schwefelkohlenstoff eingespart werden, wenn man nur 5 Prozent des Viskoseverfahrens durch das CarbaVisk-Verfahren ersetzen würde«, so Lehmann.


Weitere vortragende Experten kamen aus Finnland (Prof. Dr. Herbert Sixta, Aalto University, Helsinki), Österreich (Dr. Andrea Borgards, Lenzing AG, Lenzing), den Niederlanden (Hao Ding, DuPont Industrial Biosciences, Leiden), Norwegen (Dr. Otto Soidinsalo, Borregaard ChemCell, Sarpsborg) und Deutschland (Prof. Dr. Frank Miletzky, Papiertechnische Stiftung, München).


Rund 60 Gäste aus Wissenschaft und Wirtschaft nahmen am Kolloquium teil. Im Anschluss an die Veranstaltung besuchten die Teilnehmer die Fachschau Bioökonomie (nature.tec) auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Das Fraunhofer IAP stellte hier Entwicklungen aus den Bereichen Biotechnologie und Biopolymerforschung vor.