Neubau Wildau: Vorteile für Forschung, Wirtschaft und Region

Pressemitteilung / 10. Mai 2021

Der Forschungsbereich PYCO des Fraunhofer IAP hat seine Leichtbau-Kompetenzen, die zuvor auf mehrere Standorte verteilt waren, in Wildau unter einem Dach vereint – kürzlich erfolgte die Schlüsselübergabe für das neue Gebäude. Damit ergeben sich viele Vorteile für Industriekunden: Die großzügigen Räumlichkeiten verfügen neben Laboren für Materialentwicklung auch Platz für Fertigungstechnologien für größere Bauteile. Das Fraunhofer IAP bietet damit vollständige Lösungen zum Leichtbau aus einer Hand.

© Fraunhofer IAP, Foto: Till Budde
Professor Holger Seidlitz und Katarina Padaszus im Foyer des Neubaus in Wildau.

Sei es für die Luft- und Raumfahrt oder den Automotive-Bereich, sei es für Windkraftanlagen oder Schienenfahrzeuge: Der Forschungsbereich Polymermaterialien und Composite PYCO des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP entwickelt entsprechende Leichtbautechnologien – im Fokus stehen Faserverbundwerkstoffe auf der Basis von duromeren Reaktivharzen sowie thermoplastischen Kunststoffen, die höchste Ansprüche erfüllen müssen. Waren die Technologien zu Synthese, Harzformulierung und Bauteilherstellung bisher auf zwei verschiedene Standorte in Teltow und Wildau aufgeteilt, sind sie neuerdings unter einem Dach vereint – in einem kürzlich bezogenen Neubau am Standort Wildau, in dem bereits etwa 30 Forscherinnen und Forscher arbeiten. Die neuen Büro- und Laborgebäude umfassen rund 2700 Quadratmeter und sind mit modernster Technik ausgestattet. Herzstück des Wildauer Technikums ist u. a. eine Imprägnieranlage, die modular aufgebaut ist und für Beschichtungen, Imprägnierungen und Prepreg-Herstellung genutzt werden kann. Finanziert wurde der Neubau zu 80 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und zu jeweils zehn Prozent vom Bund und dem Land Brandenburg.

 

Vorteile für Forschende, Industriekunden und die Region

»Wir versammeln nun alle Disziplinen unter einem Dach«, freut sich Prof. Holger Seidlitz, der den Forschungsbereich PYCO leitet, »und haben darüber hinaus die räumlichen Kapazitäten für ingenieurstechnische Disziplinen. Unser Credo ist: Vom Monomer bis zum Bauteil – alles aus einer Hand.« War der Forschungsbereich bislang stark auf die Materialwissenschaften fokussiert, fließt nun auch die ingenieurstechnische Sichtweise des Leichtbaus mit ein: Die reine Materialentwicklung wurde um die Fertigungskette erweitert. Von diesem neuen Bezug zu den Bauteilen profitieren vor allem die Industriekunden.

Diese Erweiterung findet sich auch im Organigramm wieder: Prof. Christian Dreyer hat in der Gruppe »Maßgeschneiderte Materialien« die Werkstoffentwicklung im Blick, Herr Seidlitz nimmt in der Gruppe »Konstruktion und Fertigung« die ingenieurtechnische Sichtweise ein – widmet sich also Leichtbaukonstruktionen, Berechnungen und Fertigungstechnologien sowie Testszenarien an Komponenten im großskaligen Format. Kurzum: Die Ingenieure sind in der Lage, mit Partnern und Kunden zusammen Bauteile und Komponenten für die Praxis zu entwickeln. »Mit unseren Lösungen aus einer Hand bieten wir Entwicklung für die Praxis – was insbesondere die Industrie zu schätzen weiß«, bestätigt Seidlitz.

Neben der Leitung des Forschungsbereichs PYCO am Fraunhofer IAP hat Seidlitz eine Professur an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg inne, also in der »Hauptstadt« des Strukturwandels in der Lausitz. »Durch den neuen Standort werden wir die Achse Wildau-Cottbus künftig noch enger bespielen und eine große Bandbreite an Kompetenzen bieten«, sagt Seidlitz. »Auf diese Weise können wir die Strukturwandelaktivitäten noch besser unterstützen als bisher.« Der neue Standort bietet also zahlreiche Vorteile – nicht nur für die Forschung, sondern auch für Industriepartner und die Region.

 

Standort Teltow: Eine Ära geht zu Ende

Der Standort in Teltow, der nun zugunsten des Neubaus in Wildau geschlossen wurde, kann gut und gerne als Traditionsstandort bezeichnet werden: Zu DDR-Zeiten gehörte er als Institut für Faserforschung zur Akademie der Wissenschaften, 1976 wurde er komplett umstrukturiert zum Institut für Polymerchemie. Nach der Wende hat die Fraunhofer-Gesellschaft einen Teil des Instituts übernommen. Der Bereich PYCO wurde zunächst an das Fraunhofer IFAM angegliedert, später wechselte er zum Fraunhofer IZM, war dann eine eigenständige Fraunhofer-Einrichtung, bis es in 2016 schlussendlich als Forschungsbereich in das Fraunhofer IAP integriert wurde.

Diese gesamte Entwicklung aus eigener Erfahrung kennt Katarina Padaszus, sie ist in Teltow 45 Jahre tätig gewesen und war somit die »Standortälteste«. Sie war es auch, die symbolisch im alten Institutsgebäude das Licht ausmachte und die Tür abschloss. »Die Forschungsprioritäten sind ähnlich geblieben – auch in der DDR haben wir uns bereits der Harzentwicklung gewidmet, allerdings vorwiegend für die Verwendung als Klebstoff und Haftvermittler. Der jetzige Fokus liegt dagegen mehr auf deren Modifikation und Verarbeitung für zahlreiche technische Anwendungen«, fasst Padaszus zusammen. »Stark geändert haben sich allerdings die Forschungsbedingungen und die Technologien: Während wir es in der DDR schon toll fanden, wenn wir einen Taschenrechner hatten, bin ich erstaunt auf welch komplexen und hocheffizienten Gerätepool wir heutzutage zurückgreifen können.«