Grundsteinlegung

Fraunhofer IAP bündelt Leichtbautechnologien am Standort Wildau

Pressemitteilung / 8.6.2018

Zwei Imprägnieranlagen und eine industrielle Mikrowelle für die energieeffiziente Herstellung faserverstärkter Leichtbauteile können künftig in einzigartiger Weise am Standort Wildau des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP miteinander kombiniert werden. Hier konzentriert der IAP-Forschungsbereich PYCO bald seine gesamte Leichtbau-Kompetenz. Am 8. Juni 2018 wurde der Grundstein für ein neues Büro- und Laborgebäude in Wildau gelegt, im Beisein von Dr. Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Andreas Meuer, Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft, Stephan Loge, Landrat des Landkreises Dahme -Spreewald sowie Prof. Dr. Ralf Raimund Vandenhouten, Vizepräsident für Forschung und Transfer der TH Wildau.

© B+P Reiner Becker GmbH

Illustration des neuen Büro- und Laborgebäudes des Fraunhofer IAP in Wildau.

© Fraunhofer IAP, Foto: Till Budde

Dr. Christian Dreyer, Christian Langfeld, Andreas Meuer, Prof. Dr. Ralf Raimund Vandenhouten, Dr. Martina Münch, Gunnar Rekersdrees, Stephan Loge, Prof. Dr. Alexander Böker (von links)

Leichtbauanwendungen für Luft- und Raumfahrt, Automotive, Windkraftanlagen und Schienenfahrzeuge stehen im Fokus des Forschungsbereichs Polymermaterialien und Composite PYCO des Fraunhofer IAP. Bereits seit 26 Jahren erforscht PYCO duromere Faserverbundwerkstoffe auf Basis von Reaktivharzen, die höchste Ansprüche erfüllen müssen. Bisher waren die Technologien zu Synthese, Harzformulierung und Bauteilherstellung auf drei verschiedene Standorte in Teltow und Wildau verteilt.

Nun sollen sie mit einem neuen Labor- und Bürogebäude mit einer Nutzfläche von rund 2700 Quadratmetern am Standort Wildau zusammengeführt und mit modernster Technik ausgebaut werden. Das Gebäude, das von den Architekten der B+P Reiner Becker GmbH unter Leitung von Gunnar Rekersdrees entworfen wurde, ist für rund 40 Mitarbeiter konzipiert und soll Anfang 2020 fertiggestellt werden. Herzstück des Wildauer Technikums wird eine Imprägnieranlage, die modular aufgebaut werden kann. Sie ist universell einsetzbar für Beschichtungen, Imprägnierungen und Prepreg-Herstellung. Die Anlage bietet zudem die Möglichkeit, Materialien mit alternativen Techniken wie Mikrowelle, UV-LEDs oder Infrarotstrahlung zu härten.

»Durch die Bündelung unserer gesamten Kompetenzen an einem Standort werden wir Aufträge aus der Industrie deutlich schneller bearbeiten können, allein schon, weil die Wege kürzer sind. Hinzu kommt, dass wir bei der Auswahl und Kombination der Techniken flexibler sind«, erklärte Dr. Christian Dreyer, der den Forschungsbereich PYCO kommissarisch leitet. »Die direkte Nähe zu der hier ansässigen Luft- und Raumfahrtindustrie und der TH Wildau sind für uns von großer Bedeutung, da wir nun auch räumlich enger zusammenarbeiten können«, so Dreyer.

 

Stärkung der Innovationskraft der Region Wildau

Wissenschaftsministerin Martina Münch sagte in ihrer Ansprache: »Das hier entstehende Gebäude und die damit verbundene Bündelung der Leichtbaukompetenzen des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung sind ein wichtiger Meilenstein, um die Forschung und das Innovationspotenzial am Standort Wildau weiter zu stärken. Das Vorhaben passt hervorragend in die Innovationsstrategie des Landes Brandenburg, besonders im Cluster Kunststoffe und Chemie. Das künftige Forschungsgebäude wird mit seiner modernen Technologie die Möglichkeiten für den Transfer zwischen außeruniversitärer Forschung, Hochschulen und Wirtschaft erheblich erweitern. Hier gibt es beste Voraussetzungen für eine Materialentwicklung von der Chemie bis zum Bauteil. Die eingesetzten Fördermittel sind sehr gut investiertes Geld.« Gefördert wird der Neubau mit einer Summe von 17,6 Millionen Euro zu 80 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und zu jeweils 10 Prozent von Bund und dem Land Brandenburg.

 

Stärkere Kooperationen mit der regionalen Industrie

Im Umfeld von Wildau kooperiert PYCO bereits mit Firmen der Automobil- und Luftfahrtbranche. »Wir freuen uns über den anhaltenden Erfolg dieses Forschungsbereichs und die damit verbundene direkte Stärkung unserer industrierelevanten Kompetenzen im Bereich Leichtbau«, erklärte Andreas Meuer, Fraunhofer-Vorstand für Controlling und Digitale Geschäftsprozesse. »PYCO hat durch das spezifische Leistungsspektrum und die steigenden Bedarfe im Sektor Thermosets und Leichtbaumaterialien ein enormes Wachstumspotenzial. Der Standort Wildau verfügt durch seine Verankerung in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg, unsere Partnerschaft mit der örtlichen Technischen Hochschule sowie die Nähe zum Zentrum für Luft- und Raumfahrt Schönefelder Kreuz über eine hohe Attraktivität«, so Meuer.

Stephan Loge, Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald sagte: »Der Standort Wildau wird mit dem Bau der neuen Büro- und Laborgebäude in seiner intellektuellen, wirtschaftlichen und strukturellen Bandbreite gestärkt. Für die Region unseres Landkreises bedeutet das neben der Schaffung von Arbeitsplätzen auch die Sichtbarkeit der regionalen Exzellenz. Zudem bin ich mir sicher, dass die Nähe zur Industrie sowie die gute regionale Anbindung ein deutlicher Gewinn für die Ansiedlung hier sein werden.«

 

Enge Zusammenarbeit mit der TH Wildau

Bereits seit 2015 besteht eine gemeinsame Forschergruppe »Thermosets im Leichtbau« der TH Wildau mit dem Forschungsbereich PYCO des Fraunhofer IAP. Schwerpunkte dieser Fraunhofer-Fachhochschul-Kooperation sind Aktivitäten zu effizienteren Herstellungsverfahren von Leichtbaumaterialien sowie deren Recycling, Wiederverwertung und Reparatur, z. B. für Anwendungen in der Luft-und Raumfahrtindustrie, der Automobilindustrie oder bei Windkraftanlagen. Dabei kann sich das Team auf Synergieeffekte durch die gegenseitige Nutzung des jeweiligen Fachwissens und der exzellenten Forschungsinfrastruktur beider Einrichtungen stützen.

Studierende der TH Wildau werden zudem im PYCO-Technikum im Rahmen von Praktika und Abschlussarbeiten weitergebildet, und ein gemeinsames Berufungsverfahren an der TH Wildau steht kurz vor dem Abschluss. »Dass wir gemeinsam ein erfolgreiches Team sind, hat sich auch bei der Bundesförderinitiative Innovative Hochschule gezeigt«, sagte Prof. Dr. Ralf Vandenhouten, Vizepräsident für Forschung und Transfer der Technischen Hochschule Wildau. Im von der TH Wildau zusammen mit der BTU Cottbus-Senftenberg beantragten Vorhaben Innovation Hub 13 wurde im Schwerpunkt Leichtbau auch ein Transferscout für das PYCO bewilligt, der die gemeinsamen Forschungsaktivitäten auf nachhaltige Füße stellen und die Zusammenarbeit mit Wirtschaftspartnern stärken soll. »Insgesamt ist die Zusammenarbeit von TH Wildau und PYCO also eine vorbildliche Konstellation für funktionierenden Technologietransfer«, so Vandenhouten.