Biomaterialien aus Pilzmyzel

Pilzmyzel ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff, der in der Natur in großen Mengen im Boden vorkommt. Er bietet ein enormes Potenzial, um biologisch abbaubare Materialien zu entwickeln. Bisher gibt es Pilzmaterialien nur sehr vereinzelt auf dem Markt. Die Nachfrage nach nachhaltigen und tierfreien Materialien ist jedoch groß.

 

Am Fraunhofer IAP entwickeln wir mit Hilfe von Myzelgeflechten verschiedener Pilze, die mit Reststoffen aus der Land- und Forstwirtschaft wie Schilfschnitt oder Sägespäne inkubiert werden, neuartige, nachhaltige und biologisch abbaubare Materialien.

Neben Materialien aus reinem Myzel stellen wir auch myzelbasierte Naturfaserverbundwerkstoffe mit neuen Eigenschaften her. Biomaterialien aus Pilzen haben das Potenzial für vielseitige Anwendungen – von Accessoires für Bekleidung über Möbel bis hin zu Verpackungs-, Bau- und Isoliermaterialien.

 

aktuelle Projekte:

Tierfreie Alternative für Lederprodukte

Verpackungen aus Pilzmyzel

  • © Fraunhofer IAP

    Pilzmyzel besteht aus einem unterirdischen, verflochtenen Netzwerk aus Fasern. Aus diesen sogenannten Hyphen gehen Fruchtkörper hervor, die als Pilze bekannt sind. Das Fasergeflecht ist vergleichbar mit dem Wurzelsystem von Pflanzen und Bäumen. Es ist seit Jahrmillionen daran angepasst, zwischen und durch pflanzliche Zellen (u.a. in abgestorbenen Holz) zu wachsen, um diese als Nährstoffgrundlage zu nutzen.

  • © Fraunhofer IAP

    Auf Grundlage von land- oder forstwirtschaftlichen Reststoffen und Pilzmyzel entstehen am Fraunhofer IAP in einem natürlichen Wachstumsprozess neuartige Materialien.   

    Durch die sorgfältige Auswahl der Pilze, der verwendeten Substrate und der gezielten Steuerung der Wachstumsbedingungen stellen wir sowohl weiche und flexible, als auch harte und robuste myzelbasierte Materialien in verschiedenen Größen und Formen her.

    Während des Wachstums können wir Textur, Farbe, Dicke und weitere physikalische Eigenschaften gezielt beeinflussen. Die leichte Verarbeitbarkeit nach dem Wachstumsprozess ermöglicht vielseitige Anwendungen.

  • © Fraunhofer IAP

    Myzelbasierte Materialien können zu lederähnlichen Alternativen, aber auch zu flächigen Textilen und Geweben weiterverarbeitet werden, beispielsweise durch die Kombination mit Naturfasern. So entstehen umweltfreundliche und nachhaltige Produkte, die als tierfreie Alternative eingesetzt werden können. Beispiele hierfür sind Accessoires für Bekleidung, Schuhe, Taschen oder Möbel. Think creative!

     

  • © Fraunhofer IAP

    Myzelbasierte Produkte können nach ihrer Nutzphase kompostiert und als organische Zersetzungsprodukte in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Sie bilden so die Grundlage für das Wachstum neuer Pflanzen, die wiederum von Pilzmyzel als Nährstoffquelle genutzt werden können. Myzelbasierte Produkte ermöglichen somit einen natürlichen und wichtigen Schritt Richtung Kreislaufwirtschaft.

    Insbesondere im Vergleich zur konventionellen Ledergewinnung ist der Herstellungsprozess umwelt-, und ressourcenschonend, energie- und leistungseffizient sowie zeit- und platzsparend. Im Gegensatz zur konventionellen Lederherstellung benötigt der Anbau und die Verarbeitung von Pilzmyzel keine giftigen Chemikalien und verbraucht nur wenig Wasser. Leder wird zudem oft in Ländern produziert, in denen niedrige Gesundheits- und Umweltstandards gelten. Im Vergleich zur Wachstumszeit einer Kuh (ca. 2 Jahre) ist das Wachstum von Pilzmyzel mit 2-3 Wochen außerdem deutlich zeiteffizienter.

Tierfreie Alternative für Lederprodukte

 

Unser Fokus liegt aktuell auf der Herstellung myzelbasierter Materialien, die aufgrund ihrer ähnlichen Haptik für Lederprodukte als tierfreie Alternative eingesetzt werden können. Erste Accessoires im Modebereich sind in Zusammenarbeit mit einer Berliner Designerin entstanden. Die im Fraunhofer IAP hergestellten Pilzmaterialien haben den Vorteil, dass sie robuster sind als aus der Natur gesammelte Pilze. Weiterhin können daraus größere Stücke von lederähnlichen Produkten hergestellt werden.

Konzept

Entwicklung tierfreier Alternativen für Lederprodukte auf Basis von Pilzmyzel

 

PRODUKTION

  • gleichbleibende Qualität durch automatisierte Parametersteuerung
  • einfache Skalierung

KREISLAUFWIRTSCHAFT

  • Einsatz nachwachsender und biologisch abbaubarer Rohstoffe
  • Mehrfachnutzung von Materialflüssen

Vorteile

INDIVIDUELLES PRODUKTDESIGN

  • flexible Steuerung der Eigenschaften während der Wachstumsphase
  • einfache Skalierung und Weiterverarbeitung nach der Wachstumsphase
NACHHALTIGE PRODUKTENTWICKLUNG
  • Nutzung natürlicher Materialien
  • Wiederverwertung von Reststoffen aus Land- und Forstwirtschaft
  • effizienter Einsatz von Energie und Wasser, Arbeitszeit und Nutzflächen

Anwendungen

  • Accessoires für Bekleidung
  • Taschen und Portemonnaies
  • Schuhe
  • Möbel 
  • und weitere

 

Verpackungen aus Pilzmyzel

 

Ein weiteres Thema ist die Entwicklung nachhaltiger Verpackungen aus Pilzmyzel. Dafür verwenden wir Rest- und Rohstoffe aus der lokalen Land- und Forstwirtschaft – z. B. Holz, Stroh oder Grünschnitt – um mit Hilfe von Baumpilzen nachhaltige Verpackungsmaterialien zu entwickeln. Um ein »Verkleben« einzelner Reststoffe durch die Pilze zu erreichen, stellen wir gezielt den Besiedlungsgrad ein und optimieren Myzelwachstumsrate und -dichte. Die myzelbasierten Rohlinge funktionalisieren wir im Anschluss so, dass sie sich als Verpackungsmaterial eignen. Projektpartner sind das Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung e.V. und die Agro Saarmund e.G.

Foto: Übergabe landwirtschaftlicher Rohstoffe
der Agro Saarmund e.G. an das Fraunhofer IAP.
© Agro Saarmund e.G.